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"12 Lieder" op. 17 - Karol Szymanowski

"Dichterliebe" op. 48 - Robert Schumann

 

Die weltweit erste komplett Einspielung des Zyklus "12 Lieder" op. 17 von Karol Szymanowski wird hier der beim Publikum des deutschen Kunsliedes sehr beliebten "Dichterliebe" op. 48 von Robert Schumann gegenüber gestellt.

Hier vorliegend ein Live-Mitschnitt vom September 2012.

Szymanowski / Schumann

 

 

Geheimnisse berührender Liedkunst

 

KONZERT (ct). Mit einem ganz besonderen Liederabend begannen am vergangenen Sonntag Abend die Schwörhauskonzerte der Saison 2012/13. In einer Mischung aus Vertrautem und Rarem präsentierten sich die Sopranistin Eilika Krishar und der Pianist Bernhard Wünsch den Zuhörern.

Sie brachten zwei Liederzyklen zu Gehör: Die ,,12 Lieder" op. 17 von Karol Szymanowski und die ,,Dichterliebe" von Robert Schumann. Karol Szymanowskis ,,12 Lieder" op. 17 haben, wenn man denn generalisieren, will, eine spätromantische Grundhaltung; sie haben mit ihren weit gesponnenen Einfällen etwas Poetisches, gelegentlich auch Schwermütiges. Seine Musik ist zwar in der Spätromantik verwurzelt, doch versuchte er nach eigener Aussage ,,nicht für gestern, sondern für heute und morgen" zu schaffen.

Die Interpretationen der Lieder gelangen den beiden Interpreten meist erstklassig.

Eilika Krishar beeindruckte mit prägnanten Farbschattierungen ihres Soprans und zeigte ihre tadellose Gesangstechnik.

Sie ließ die Töne förmlich aufblühen, setzte gerne Akzente mit fast unirdischen Pianissimi, gefolgt von starken Fortissimi. Bemerkenswert, zumal sich Karol Szymanowskis ,,12 Lieder" oft an der Grenze der Tonalität bewegten.

Eilika Krishars Stärke lag auch in der Differenzierung der Dynamik, mit der sie die Dramatik der Liedinhalte gestaltet, aber auch in der Textverständlichkeit, die wie ganz natürlich und völlig unangestrengt einfach da war. Wie die Sängerin ihr Vibrato ein- und aussetzen ließ, um damit interpretatorische Effekte zu erzielen, war schon große Kunst und überzeugte restlos.

Das Duo gestaltete die Lieder als lange, entwicklungsreiche und in sich klar periodisierte Szenenfolgen. Der Gesamtzusammenhang wurde dadurch vielschichtig und abwechslungsreich, und alle 12 Lieder gelangen erstaunlich, vor allem durch das großartige und die Partien meisterlich verbindende Klavierspiel Bernhard Wünschs.

 

 

lm Sog einer halb wehen, halb freudigen Frühlingssehnsucht

 

Robert Schumanns 'Dichterliebe':

 

Eine Interpretation voller Wärme, kraftvoll in der Emphase, prägnant in den dynamischen Kontrasten und in der Lyrik geschmeidig durch geformt.

Man könnte, wenn man Schumanns 'Dichterliebe' hört, in den Sog einer diffusen, halb wehen, halb freudigen Frühlingssehnsucht geraten. Auch wenn der Frühling dem Werk nicht direkt eingeschrieben ist, so umkreisen Heines Verse der 'Dichterliebe' . die Jahreszeit recht deutlich. Und es gibt im weiten Feld der Kunstlieder wahrlich wenige, in denen die Liaison zwischen Dichtung und musikalischer Ausdeutung so eng verschmolzen und zugleich so zart gelungen ist.

Und Eilika Krishar verstand es großartig, als lyrisches Subjekt sowohl das Changieren zwischen leiser Wehmut und Jubel, sowie Poesie und bitteren Groll der `Dichterliebe' zu gestalten:. Dazu kamen große Disziplin in der Stimmführung und makelloser, offener, nie angestrengter Ton. Und diese ganze Kunst d,er Liedgestaltung bündelte die Sopranistin in einen überraschend natürlichen, ungekünstelten Ausdruck und Tonfall. -

Gepaart war Eilika Krishars Sensibilität für den richtigen Gestus mit technischem Können. Ihr Sopran klang in allen Lagen ausgeglichen. Dynamische Flexibilität diente als selbstverständliches Mittel der Textausdeutung bis ins Flüstern zurückgenommene, aber immer gut gestützte Piani konnten schwelgerisch süß erscheinen, das zuweilen gedeckte Forte der Höhe hatte Durchschlagskraft.

 

Und Bernhard Wünsch am Klavier zeigte durchgehend ein Gespür für die besonderen Farbwerte dieser irisierenden, rauschhaften und schwelgerischen Musik eines Schumann.

Viel Applaus für dieses hervorragende Duo gäb es dann auch vom Publikum, (...).

(RZ September 2012)